100KM Biel

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100Km Biel am 17/18.06.2005

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Nachdem die „Bielwoche” mit erheblicher Vorfreude begann, kam am Dienstagabend ein herber Tiefschlag! Mein jüngster Sohn hat sich den rechten Arm beim Inlinerskaten gebrochen. Beide Knochen sind gebrochen und eine Operation stand an. Es schien möglich, dass wir die Reise in die Schweiz nicht antreten könnten, oder ich eventuell ohne meine Frau fahren müsste.


Unterwegs.



Die Operation–ein Draht musste zur Stabilisierung der Knochen eingezogen werden–fand nun doch schon am Mittwoch statt und die Chancen stiegen, dass wir wie geplant die Unternehmung "Biel" starten könnten. Da sich die Geschwister, beide schon erwachsen, zur Unterstützung anboten, starteten wir am Donnerstag. Wir frühstückten nicht ganz so früh, wie angedacht. Da wir uns auf verschiedene Witterungsfälle vorbereitet hatten, war es nicht so einfach alle Koffer, Taschen und die Kiste mit den Lebensmitteln für die anschließende Woche in Grindelwald zu verstauen.
Nach einer kurzen Inspektion des Zustandes des Armes unseres Sohnes starteten wir. In Gedanken checkten wir nochmals alle Sachen durch. Nichts vergessen? Es schien so. Etwa 5:20 Uhr waren wir bereits auf der Autobahn. Nach einer Rast kurz vor der Schweizer Grenze erreichten wir etwa 12:00 Uhr das Eisstadion in Biel. Internet sei Dank! Wir hatten uns mittels des Internets zusätzlich zu den zugesandten Laufunterlagen des Veranstalters über die Örtlichkeiten in Biel informiert und erreichten ohne Probleme das Eisstadion (Start und Ziel) sowie die Massenunterkunft im Zivilschutzbunker. Am Eisstadium schauten wir uns aber erst noch etwas um. Aufgrund des Wetters hätten wir dort auch zelten können. In der Nähe des Zivilschutzbunkers bekamen wir noch einen Parkplatz ab. Dafür waren allerdings 10 Euro zu bezahlen. Geparkt wird auf den blau eingerahmten Zonen. Leider war es kein Platz im Schatten. Hätten wir gewusst, dass man für die Deckenreinigung neuerdings auch noch bezahlen muss (3 CHF), hätten wir sicher eine Decke mehr mitgebracht. Problemlos bekam meine Frau als Begleiterin auch einen Freifahrtschein für die Bieler Verkehrsmittel.
Da wir uns mit genügend Lebensmittel–nicht zuletzt wegen dem anschließenden Urlaub in Grindelwald–eingedeckt hatten, brauchten wir weder Halb- noch Vollpension für die Zeit des Aufendhaltes in Biel. Wir freuten uns auch schon auf die Bäckereiprodukte in Biel. Erfahrungsgemäß schmecken die in der Schweiz sehr gut.
Wir luden zuerst die für die Zeit in der Unterkunft benötigten Sachen aus und bereiteten die Betten zu.
Nach einer kurzen Erholungszeit gingen wir auf Exkursion. Man muss an der Stelle noch bemerken, dass während der gesamten Zeit in der Massenunterkunft alle Zimmerinsassen sich stets rücksichtsvoll bewegten. Dadurch konnte man sich bei Bedarf noch etwas erholen. Wir fuhren zuerst zum Bahnhof. Oben angekommen wanderten wir zur Station der Leubringenbahn. Unterwegs sahen wir ein Kälbchen, dass noch auf sehr wackeligen Beinen stand. Die Mutterkuh fraß gerade die Nachgeburt auf und stellte sich immer so, dass sie zwischen uns und ihrem Kälbchen zu stehen kam. Als wir einen Bäcker entdeckten, mussten wir natürlich erst einmal das hiesige Brot kosten. Es war wirklich sehr lecker. Mit der Leubringenbahn fuhren wir wieder herunter nach Biel.
Wir kamen unweit der Altstadt an, die wir natürlich sofort besichtigten. Die Bieler Altstadt ist nicht besonders weitläufig, aber sehr schön anzusehen. An verschiedenen Stellen wurde restauriert.


Am Eisstadion.


Biel.

Massenunterkunft.

Seebadeanstalt.

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Wir begegneten einigen Touristen, die als Läufer zu erkennen waren. Zurück zur Unterkunft ging es durch das moderne Biel mit seinen Einkaufsmöglichkeiten. Am Abend besuchten wir die Nudelparty. Zum leckeren Nudelgericht gab es eine leckeres Bier.
Schnell kamen wir mit Schweizern ins Gespräch. Ein Gesprächspartner stammte aus dem Wallis und wohnt jetzt in Biel. Jetzt konnten wir sogar unsere Kenntnisse aus Saas Fee anwenden.
Wir wurden von einem Familienvater ins Gespräch gezogen, der beim Nachtmarathon starten wollte. Die Familie wohnt in Kirchberg. Ich wurde schon einmal auf den Pfad an der Emme entlang vorbereitet. Da das Bier allzu lecker war, beschlossen wir doch lieber, erst einmal zur Nachtruhe die Unterkunft aufzusuchen. Sonst wäre sicher die Nacht sehr kurz geworden!

Am Freitagvormittag fuhren wir in die Stadt und tranken ganz gemütlich in einer Konditorei einen Kaffee und sahen dem Treiben in unserer Nähe zu. Anschließend kauften wir uns für das Schwimmbad am Bieler See ein. Dort mussten wir immer wieder mit unseren Sachen in den Schatten des nahen Baumes ziehen, da die Sonne so heftig brannte. Es machte sehr viel Spaß am See zu liegen und sich die Welt anzuschauen Die Lage Biels ist wirklich schön. Gegen Abend ging es zurück zur Unterkunft. Vorher gingen wir allerdings noch einkaufen. Lieblingsbeschäftigung für Frauen!
Im Zimmer wurde es schnell sehr unruhig. Noch waren es etwa 3h bis zum Start. Ich beschloss, mich dem Treiben anzuschließen und mich schon für den Lauf zu präparieren. Es war ja eh jetzt soviel Trubel. Das war sicher eine Art Gruppenzwang.
Ich war bald der Meinung, ich hätte nichts vergessen und wir gingen zum Startbereich. Noch eine Stunde bis zum Start.
Später stellte sich dann heraus, dass ich weder an die Sonnenbrille, noch an die Mütze gedacht hatte. Beides hätte ich gut am Samstagmorgen gebrauchen können. Im Startbereich standen eine Menge Fahrradbegleiter mit dem Startnummernschild, auf dem „Coach” stand. Die Fahrradbegleitung macht sicher einen harten Job! Die ganze Zeit müssen diese hell wach bleiben und auf die Wünsche der betreuten Person reagieren.
Wir setzten uns noch etwas innerhalb des Versorgungsbereiches. Das Shirt meiner Frau bewirkte wieder einmal, dass man uns ansprach. Ja sie hatte am Monschaumarathon teilgenommen. Allerdings ist sie gewalkt und gejoggt, was ihre Leistung sicher nicht schmälert! Helmut H. kannte auch den Monschaumarathon. Er kommt aus Aachen und hat es nicht weit bis Monschau. Hier wollte er unter „10” laufen.
Ein Läufer war mir vom Sehen her aus Rengsdorf bekannt. Seinen Namen habe ich später erfahren. Es war Jürgen H.,ein "Steppenhuhn wie ich! Drei Minuten vor dem Start gingen wir drei dann los. An einem Getränkestand versorgte ich mich noch etwas mit Flüssigkeit.
Dann wurde offiziell gestartet. Langsam ging es los. Ach der Lauf hat ja begonnen!
Wir liefen an der Prominenz vorbei, die man auf einen Anhänger wegen der Übersicht platziert hatte. Überall Beifall und Bewunderung. Der normale Bielbewohner kennt natürlich dieses alljährliche „unnormale” Verhalten, zu einem 100Km Lauf zu starten. Es ging einige Km durch Biel. Schon nach 500 Metern überhole ich einen Läufer, der zum siebenten mal dabei war. Wir hatten uns am Donnerstag längere Zeit unterhalten. Er hatte auch dies mal seinen Rucksack mit allem mit, was er auf der Strecke benötigen würde. Ich lächelte ihm zu und zog langsam an ihm vorbei. Sein Rucksack schlug den Takt.
Kurz bevor wir in die ländliche Gegend laufen sollten, ging es an einem mit roten Herzen geschmückten Gebäude vorbei. Lächelnde Asiatinnen hinter den Fenstern. Es war sehr warm. Wir alle waren nur leicht bekleidet.
Dann ging es nach Nidau. Die erste Steigung. Ich hatte beschlossen, wie bei allen längeren Laufveranstaltung auch, die Steigungen nur soweit zu laufen, wie die Anstrengung unterhalb der 60% Belastung bleibt. Bald duftete es herrlich nach frisch gemähtem Gras. Die Grillen zirpten. Es wurde langsam dunkler. Ich hatte mit der Dunkelheit keine Probleme. Zum Laufen war es hier jedenfalls hell genug. Überall standen Leute, die klatschten oder auch einfach nur schauten. Die ganze Zeit war die Strecke hervorragend markiert. Die Schilder wurden alle angeleuchtet.
Die linke Wade begann im unterem Bereich zu schmerzen, genauso wie der rechte Oberschenkelbeugemuskel. Ich lief also noch vorsichtiger. Zum Glück hielten sich die Schmerzen in Grenzen.
Nach etwa 50 Km haben sich die Muskelschmerzen im Nichts aufgelöst. Leider meldete sich der rechte große Zeh immer deutlicher. Im Ziel war der Zeh dann richtig stark vereitert.
Am meisten behindert wurde ich allerdings auf den ersten 40 Km durch ein ständiges Kotzgefühl. Normalerweise probiere ich vor einem Lauf niemals neue Nahrung oder Getränke aus. Ausgerechnet bei diesem Lauf aber probierte ich ein neu angebotenes Getränk. Zusammen mit den Müsliriegeln bekämpften diese meinen Magen. Das schlimmste blieb mir zum Glück erspart. Ich musste mich nicht übergeben.
Nur ab dann konnte ich weder Bananen noch sonst irgend etwas essen. Nur mit Wasser verdünnte Cola beruhigte den Magen. Erst nach 60 Km vertrug ich einen Keks und aß erst im Auto etwas, als wir längst in Richtung Grindelwald gestartet waren. Viele Berichte habe ich vor meinem Start über die 100 Km von Biel schon gelesen.
Ich hab die schöne beleuchtete Holzbrücke voller Menschen als gute Bekannte überquert. Die vielen Menschen, die uns zujubelten habe ich gesehen.
Uns begleiteten in dieser herrlichen warmen Sommernacht der Mond und die Sterne. Sogar die Milchstraße konnten wir zeitweise sehen. Ich erinnere mich an die vielen Wassertröge, die plätschernd ihr kühles Nass anpriesen - genau wie an die lärmenden Frösche in den Dorfteichen und an die teilweise biertrunkenen, grölenden Zuschauer an der Strecke. Gewundert habe ich mich über die Leute, die morgens um 6:00 Uhr schon bei Bier und Grillwurst die Läufer beobachteten oder anfeuerten.
Merkwürdigerweise verging die Zeit wie im Fluge. Eine ganze Weile bin ich zusammen mit Oliver K. aus Castrop-Rauxel gelaufen. Jeder so, wie er am besten konnte. Langsam kam die Sonne am Morgen. Der Mond war schon etwa gegen 3:30 Uhr untergegangen und das Morgengrauen hatte die Beleuchtung gemeinsam mit den vielen Stirnlampen übernommen. Den Emmendamm (Ho Tshi Min Pfad), vor dem ich einen gewissen Respekt hatte, empfand ich als nicht so schwierig. Sicher haben schnelle Läufer, die ja noch in der Dunkelheit unterwegs sind, mehr Probleme mit den Holpersteinen und Schlaglöchern.
Nach etwa 60 Km wurden die Gehpausen bei mir etwas häufiger. Mit dem Anlaufen nach den Gehphasen hatte ich keine Probleme. Meistens bin ich kurz vor und kurz nach einem Verpflegungspunkt oder an Anstiegen gegangen.
Das ging gut und ich befand mich ziemlich zufrieden in meiner Zeit, die ich mir ausgerechnet hatte. Meine geplante Zielzeit lag zwischen 11:30h und 13:00 h. Irgendwo dazwischen wollte ich ankommen. Meine Erfahrungen aus Rennsteig- und Röntgenlauf leisteten dabei gute Dienste. Die längsten Stücke bin ich zwischen ca. 80 Km bis ca. 90 Km gegangen. In Arch bin ich die abschüssige Straße hinein gelaufen. Den Anstieg aus Arch heraus ging ich hoch. Gelaufen bin ich dann nur die flachen oder abschüssigen Teilstrecken.
Etwa 4 Km an der Aare entlang, in praller Sonne, bin ich durchweg gegangen und dann immer nur kurze Strecken gelaufen. Erst nach Büren wurden die laufend zurückgelegten Teilstrecken wieder länger. In Büren selbst habe ich mich sogar für einige Minuten auf einer Bank ausgeruht.
Die letzten 10 Km lief es immer besser. Ab Km 95 bin ich dann wieder langsam durchgelaufen.
Von Weitem schon war das Ziel zu erkennen. Uns kamen Leute entgegen, die das nahe Ziel anpriesen und dadurch zusätzliche Motivation gaben. Kurz vor dem Ziel. Mein Name wurde durchgesagt und ich habe die Anstrengungen der vergangenen Stunden vergessen. Locker lief ich über die Ziellinie.


Einlaufen.



Was war geschehen? Kann man die vergangenen Stunden gleich begreifen?

Meine Frau kümmerte sich um die Chipabgabe und mein Finishershirt. Ich habe die kalte Dusche genossen und mich schon auf die „Operation” des entzündeten Zehs und die Anreise nach Grindelwald vorbereitet.

Bald waren wir wieder in der Unterkunft und ich habe mich etwas ausgeruht. Nach zwei Stunden Pause haben wir alle Sachen verstaut und sind nach Grindelwald aufgebrochen.


Blick auf den See.


Blick aus der Magglingenbahn.


Mutter mit Neugebohrenem Kalb.


Altstadt.


Turm in der Altstadt.


Marktplatz mit Brunnen.


Nudelparty.

Erfahrungsaustausch.

Auf zum Start.

Es geht los.  

 

 Letzte Änderung: 03.07.2009
  2005 © Joerg Segger