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 Seeblick

Einladung mit Hausschlüssel.

Kurz vor dem Start.
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100Km Biel am 09/10.06.2006
Was mir alles so kurz vor dem Start durch den Kopf gegangen ist. Kaum zu glauben. Kurioses, Überraschendes, Aufregendes und sehr viel Schönes haben wir erlebt. Doch der Reihe nach.
Die Planung im Vorfeld hat sich aus heutiger Sicht wieder für ausgesprochen gut erwiesen. Das gilt für die finanzielle Planung genauso, wie für die Organisation der Ausflüge in Biel und Umgebung. Mein Trainingsplan, speziell für meine etwas übergewichtige Figur angepasst, hat sich wieder einmal als gut herausgestellt. Außerdem habe ich ja im Vergleich zum letzten Jahr vor Biel etwa 8 Kg weniger auf die Waage gebracht.
Um 3:30 Uhr, bevor der Wecker seine Bestimmung erfüllen konnte, waren wir wach und haben in aller Ruhe die Sachen im Auto verstaut, gefrühstückt und sind los.
Nichts vergessen!
Vor der Grenze gab es aufgrund einer Baustelle einen Stau. In Basel selbst das übliche nervige Fahren. Unübersichtliche Autobahn und dann noch die Baustellen dazu. Die Schweiz schien an diesem Tag eine einzige Baustelle. Kaum einmal 20 Km zusammenhängend ohne Baustelle. Trotzdem waren wir relativ entspannt nach etwa 6 Stunden in Biel angekommen. Den ersten Schwung Sachen mitnehmen und ab in die Unterkunft. Aha, den gleichen Raum wie im letzten Jahr, die gleichen Betten. Diesmal habe ich auf einen kurzen Erholungsschlaf verzichtet, da ich durch die Urlaubstage ziemlich ausgeruht war. Also ging es gleich in die Stadt. Wir haben fast die gleichen Sachen besichtigt, wie ein Jahr davor. Diesmal haben wir unserem Sohn einiges gezeigt. Super Wetter. Das Schwimmbad am Bieler See lag lichtüberflutet da. Am Freitag Morgen haben wir dort einige Stunden verbracht.
Dann ging es weiter zum Magglingen. Hoch mit der Standseilbahn. Zum Glück haben wir ja durch den Lauf Freikarten für alle Bieler Stadtverkehrsmittel. Dort oben sind wir bis zur nächsten Bahn gewandert. Wir hatten einen schönen Blick auf den See, die Stadt und auch auf das Berner Oberland ganz weit am Horizont. Wenn auch etwas sehr weit entfernt, konnten wir doch die schneebedeckten Gipfel sehen. Mit der Bahn sind wir wieder hinunter nach Biel gefahren. Die Bahn endet direkt vor der Altstadt.
Die schöne Altstadt kann man ruhig öfter besichtigen. Man entdeckt jedes Mal etwas Neues, so auch diesmal. Jetzt kennen wir alle drei Brunnen mit ihren schönen Figuren.
Dann erfolgte noch ein kleiner Stadtbummel und es ging zur Nudelparty. Nach der Nudelparty haben wir uns in der Nähe der Unterkunft im Sahligut auf den über die Bunkeranlage befindlichen Rasenplatz gelegt und gelesen und uns ausgeruht. Mit einem Gläschen Wein haben wir den Sonnenuntergang hinter den Bergen beobachtet.
Am nächsten Tag sind wir zum Frühstück in die Stadt gefahren. Anschließend haben wir etwas eingekauft und sind in das Freibad gegangen. Während ich schon mal etwas Schlaf vorgeholt habe, haben Dari und –DD- sogar im 14 Grad „warmen“ Wasser gebadet.
Dann ging es wieder durch die Stadt zurück und ich habe mich noch etwas vor dem Lauf ausgeruht.
Zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland wurde in der Eishalle eine Großleinwand aufgebaut. Also habe ich den Schlaf unterbrochen und mit Familie das Eröffnungsspiel angesehen. Die restliche Zeit bis zum Start ging schnell vorüber. Während ich mich auf den Lauf vorbereitete und mir wieder aus irgend einem Grund ziemlich flau im Magen wurde, hat meine Sohn ein Rennrad entdeckt, das zwar abgeschlossen war, aber es einem potenziellen Dieb doch recht einfach machte, da im handfestem Schloss das Schlüsselbund stach. Mit dem Rad hätte man der Wohnung des Rennradbesitzers ja gleich auch noch einen Besuch abstatten können.
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Dann kam der Start. Diesmal habe ich keine unbekannten Getränke vorher zu mir genommen. Trotzdem leichtes Unwohlsein. Die ersten Kilometer durch die Stadt. Viel Publikum. Tolle Stimmung. Diesmal habe ich nicht mitbekommen, wann wir am Freudenhaus vorbeigelaufen sind. War nicht so wichtig. Zum Glück ist es in diesem Jahr nicht so warm gewesen.
Dann, nach etwa 5 Km, hinaus aus der Stadt und die erste etwas längere Steigung. In diesem Jahr kam der Sommer später und der Lauf war auch eine Woche früher. Dadurch habe ich nur ein einziges Mal die Frösche in einem entfernten Teich quacken gehört. Dafür wieder der Heuduft in der Luft, die Lichter in der Nacht. Die Dorfbewohner an den Straßen. Überall wurde gefeiert. Grölende Angetrunkene auch dabei. Kinder, die kurze Strecken mit den Läufern liefen. Der Mond, in zarter Wolke gehüllt, spendete Licht, welches sogar Schatten warft.
Bei Aarberg die überdachte Brücke. Kurz vor der mit Beifall spendenden Leuten besetzten Brücke schon Wahnsinnsstimmung im Ort beim Einlaufen. Gänsehaut. Ich spürte meine Beine nicht. Keine Anstrengung. Der Magen hatte sich beruhigt. Leichtigkeit des Laufens. Fast wie Schweben. Ich lief sehr ruhig, gleichmäßig und für meine Verhältnisse ziemlich schnell.
Vorbei an den Radbegleitern, die auf ihre Schützlinge warten. Ob die Kerstin aus dem Gästebuch der Bieler HP wohl dabei war, die unbedingt einen Läufer begleiten wollte, weil sie verletzungsbedingt selbst nicht starten konnte?
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Die ersten Meter!

Im Ziel!

Medaille - Glück mit T-Shirt
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Nach etwa 35 Km sind sogar die Zweifel weg gewesen, die mich geplagt hatten. Ich hatte immer wieder die Frage im Kopf, warum ich hier mitmache. Und, ich hatte sogar schon Pläne für den 49. und den 50. Lauf in Biel. Bin ich schwachsinnig, hier nochmals starten zu wollen? Warum sollte man sich freiwillig jedes Jahr wieder dem Trainingsplan für Biel schon etwa 6 Monate vorher völlig hingeben? Man kann seine Freizeit doch auch leichter verbringen!
Dann plötzlich kurz vor Km 40, dem Marathonziel, die ersten ganz leichten Beschwerden in den Oberschenkeln. Sonst nichts. Ich stellte mich darauf ein, immer wieder auf die Oberschenkelmuskulatur achten zu müssen.
Nach einigen Kilometern waren die Beschwerden wieder weg. Ich hatte die Muskulatur beim Laufen durch wechselnde Belastung gelockert. Das geht!
Die Verpflegungsstellen kamen immer rechtzeitig. Ich vertrug nur Bananen und etwas Marmeladekuchen. Zum Essen musste ich mich allerdings zwingen. Wie schon im letzten Jahr verursachten die kleinen Stücken Powerriegel Brechreiz bei mir. Der war zum Glück nach zwei Km wieder verschwunden und ich habe keine Essexperimente mehr gemacht. Dazu habe ich mir wieder Cola mit Wasser gemischt und ausgiebig getrunken. Als Abschluss habe ich mir eine oder mehrere Orangenstückchen genommen und ausgelutscht. Das hat den Durst genommen. Sehr erfrischend!
Dann kam der Emmendamm. Im letzten Jahr hat mir dieser Teil der Strecke kaum Beschwerden bereitet. Diesmal war alles anders.
Es war dunkler wie im letzten Jahr. Ich war ja auch früher an dieser Stelle, da ich schneller war, als im vorherigem Jahr. Meine Lampe war nicht so hell, wie ich das gehofft hatte. Da war wohl die Batterie doch schon schwächer wie gedacht.
Der Weg schien mir auch etwas ausgewaschener. So bin ich etwa 3 Mal fast hingefallen. Einmal über den einzigsten Stein im Umkreis von mindestens 4 Metern. Da bleib ich hängen und konnte nur mit allerlei Verrenkungen einen Sturz verhindern. Nicht auszudenken, wenn ich die Böschung herunter gefallen wäre. Sehr lang zog sich also dieser Emmendann für mich hin.
Endlich. Die Verpflegungsstelle kam. Der Damm war zu Ende. Zum Glück bin ich sturzfrei durchgekommen. Einige andere Läufer bestätigten mir mein Gefühl. Sie hatten auch mehr Probleme als ein Jahr davor.
Nach einer kurzen Gehpause trabten wir weiter. Nach drei Km lief es wieder rund. Bei Km 65 ging es wieder richtig gut. Goldenes Band hinter den Bergen. Der Sonnenaufgang kündigte sich an. Die Vögel begrüßten ihn lautstark.
Längst hatte ich es erwartet. Die Oberschenkelbeschwerden kamen wieder. Ich lief etwas verhaltener und die Beschwerden nahmen ab. Der Blick zur Uhr verhieß eine Zeit unter 12 h. Wenn es denn nur so kommen würde!
Heller Tag. Die Sonne war schon kräftig. Frischer Wind aus dem Wald kühlte uns Läufer ab.
Dann traf ich einen Läufer aus dem Westerwald wieder, den ich schon einmal überholt hatte.
Bibern. Ich hatte während des gesamten Laufes viele Stellen wieder erkannt. Obwohl ich doch erst einmal hier gelaufen bin. Die Steigung nach Arch. Der Westerwälder schloss auf. Wir gingen die Steigung gemeinsam hoch. Er wollte unbedingt an mir dran bleiben, was er auch bis nach Büren, vor der letzten großen Steigung über die Landstraße, geschafft hat. Ich lief meistens etwa hundert meter hinter ihm.
An der Aare entlang ging es in diesem Jahr besser, da ich die Mütze als Sonnenschutz dabei hatte. Und ich lief mit beherrschbaren Oberschenkelschmerzen eine konstante Geschwindigkeit.
Bis Pieterlen ging das so. Ich wusste, in diesem Jahr wird es eine Zeit unter 12 h! Runners high!
Schöner Waldweg. Sonnenflut. Schattenwald. Ich überholte schon seit 10 Kilometern viele Läufer die gingen. Alles geben!
Noch einige kleine Steigungen. Letzte Kraft mobilisieren. Kämpfen. Ich überholte. Überholte Läufer, die vor Stunden an mir vorbeigezogen waren. Gänsehaut. Schmerzvoll hinunter nach Pieterlen.
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Cola mit Wasser, Banane Kuchen und Orangestückchen.
Letzte Kraft im Schleichen den Hügel hoch. Wann ist die Quälerei vorbei. Ich kann immer noch laufen. Ich werde immer langsamer. Noch drei Kilometer. Da sehne ich mich nach dem Schild 98 Km. Es dauert verflixt lange. Unendlich lange. Dann ziehe ich, einer Schnecke gleich, an gehenden Läufern vorbei. Ich brauche jetzt bereits 9 Minuten für den Kilometer. Aber ich laufe. Ich kann immer noch laufen. Kilometer 99! Eine leichte Strecke herunter, weg von den Bahnschienen unter der Bahnbrücke durch. Die Muskel schmerzen. Noch langsamer. Ich sehe die Eishalle. Leute feuern die Läufer an. Schmerzen. Kann ich noch? Ja, ich laufe immer noch. Schneckentempo. Muskelschmerzen. Rufen. Fremde Klänge, die sagen sollen, man hätte es gleich geschafft. Der Sprecher. Buntes Volk. Meine Startnummer wird durchgesagt. Mein Name. Plötzlich spüre ich keine Oberschenkelmuskulaturschmerzen mehr. Nichts! Nur eines: Ich habe es geschafft.
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Bieler See mit Weinbergen.
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Dann kommt auch mein Betreuerstab. Man hatte noch nicht mit mir gerechnet. Jawohl, ich war in diesem Jahr besonders schnell!
Diesmal habe ich nur 11:43:02 h gebraucht. 2005 waren es 12:35:52 h.
Nach dem Duschen das Laufshirt und die Medaille. Stolz schleiche ich mit schmerzenden Oberschenkeln in die Unterkunft, um etwas zu ruhen.
Am Abend sind wir Essen gewesen. Wir haben uns ein italienisches Restaurant gesucht und leckere Pizza bzw. Pasta gehabt. Dazu gab es Bier mit einem schlechten Weltmeisterschaftsspiel der Schweden. Die Nacht habe ich gut geschlafen. Wir haben unsere Sachen zusammengesucht, im Auto verstaut und am Rasenplatz über dem Bunker gefrühstückt. Die Rückreise verlief ohne größere Anstrengungen oder Stau.
/Bericht 2006/
Letzte Änderung: 26.06.2009
© Joerg Segger
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