100KM Biel

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- 2009 - Der Bericht



Vor dem Hotel in Twann


Der gleiche Weg, der gleiche Mensch und die Zeit macht alles neu!

Da war ich nun! Unweit der Eishalle an der International Church! Laut war sie, die Kirche. Die Fenster standen offen und mir schien es, als sollten die offenen Fenster nicht nur frische Luft in das Gebäude bringen. Aufmerksamkeit einholen, das war der Sinn! Dagmar hatte mich in der Nähe des Starts abgesetzt. Allein auf weiter Flur. Anders eben, wie die Jahre davor. Ich bin doch erwachsen! Die Startunterlagen waren schnell geholt. Der 51. Bieler 100 Kilometerlauf gestaltete sich auch da schon weniger eng und hektisch. Der 50. Lauf war da ganz anders! Ups, die Nudeln für 10 CHFr waren weich und geschmacksneutral. Leider hatte ich mich diesmal nicht für die vegetarische Soße entschieden. Egal, man konnte sie essen. Auch für ältere Läufer mit Zahnprothese. Joachim habe ich getroffen. Komisch, so viele Teilnehmer und man trifft ausgerechnet einen, den man kennt in der Menge. Ich setzte mich in die Eishalle und beobachtete Leute. Das macht Spaß. Es gibt aufgeregte, coole, dünne, dürre, dicke, stabile, große, breite, kleine, hüppelige und nervöse Läufer. Einzelne Läufer, Gruppenläufer, verträumte und wache Läufer. Bei mir kam die Aufregung vor dem Lauf gar nicht. Ja, klar die 5te Teilnahme. Ja doch, 100 Kilometer laufen am Stück. In Worten: einhundert Kilometer! Ja und? Hab doch trainiert. Mensch, was da alles so passieren kann: Da kann es Kniebeschwerden geben (hab ich erlebt), es kann Durchfall unterwegs geben (auch erlebt), ich könnte müde sein oder mir einen Fuß umknicken oder dicke Blasen laufen, die dann aufgehen. Weil ich dann nicht aufgeben will würde ich bestimmt weiter laufen und dann kommt da Blut aus dem Schuh! Na ja, abwarten. Wer kann das schon vorher wissen, wie es wird? Hundert Kilometer sind ja so lang. Na bitte: Was da alles passieren kann! Es könnte ja ein Gewitter geben und du hast dich schließlich gegen die Regenjacke entschieden. Außerdem hast du auf den Transport von Ausrüstungsgegenständen nach Kirchberg verzichtet. Keine Wechselsachen, keine Regenjacke in Kirchberg. Na ja, die Jahre vorher hab ich nichts dergleichen gebraucht, warum sollte ich das diesmal brauchen? "Hallo Jörg!" Joachim hatte mich wieder gefunden. Schön, dann brauche ich darüber jetzt nicht weiter nachdenken! Und wir redeten und redeten. Genau genommen redetet hauptsächlich ich. Allerdings habe ich mal Pausen gemacht und Joachim auch mal was sagen lassen. War ich doch aufgeregt? Dann meinte Joachim, wir sollten doch mal zum Start gehen, es wären nur noch ca. 15 Minuten bis zum Start. Klar doch, dazu waren wir ja da! Zum Laufen von 100 Kilometer. Alles Irre? Dann habe ich nur noch unbekannte Läufer gesehen. Wieder beobachtet. Der Sprecher versuchte die Meute zu animieren. Mich doch nicht. Verabschiedungsszenen, als würden die Läufer in die Hölle geschickt. Man, ihr macht das hier freiwillig. Das wird unblutig, sieht man mal von eventuellen aufgeplatzten Blasen oder Schürfwunden ab, die man sich auf den Emmendamm durch einen Sturz über eine der vielen Wurzeln zuziehen könnte. Verhungern oder verdursten wird auch keiner! Obwohl ich doch tatsächlich ganze Patronengürtel mit kleinen Getränkeflaschen sehe. Auch große Trinkflaschen, ekelsüßes Gel wird hier und da in den Taschen verstaut. Jacken werden angezogen. Es sind ca. noch 16 Grad? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist mir warm. In der Nacht sollen es nur so 6 Grad werden. Da muss man dann wohl schneller Laufen, wenn man kann, um nicht zu frieren. Gefrohren habe ich hier noch nie. Auch nicht, als es mal geregnet hatte. Aber man weiß es nie, wie es kommt. Runter zählen. Startschuss. Hallo, es geht los. Jedenfalls bewegen sich die da vorne schon. Diesmal wird über den Chip die Nettozeit gemessen. Ich laufe an und muss gleich wieder gehen, weil zu viel Gedränge ist. Man wir haben noch Zeit, Tempo zu machen.
Der Leihchip speziell für Biel sitzt am Schuh, die Tasche sitzt auch. Geld für alle Fälle und einen Müsliriegel. Die Apfelschorle ist schon alle. Unterwegs, nach einigen Kilometer einlaufen, werde ich die Schuhe nochmals richtig binden. Dann sitzen die besser. Nicht auszudenken, wenn Blasen kommen. Schlimm, wenn man schon nach 30 oder 40 Km Blasen an den Füßen hat. Die Radbegleiter sind längst auf der Strecke. Hände strecken uns die Kinder zum Abklatschen entgegen. Die Stadt ist belebt. Nicht so, wie 2008. Überhaupt, es wird auch auf der Strecke ruhiger sein. Zwar wird auch diesmal, wie in jedem Jahr, an der Strecke gefeiert, aber es sind weniger Leute unterwegs. Für mich ist das egal. Ich beginne zu realisieren, dass der Lauf begonnen hat, als wir die ersten Kilometer in Biel gelaufen sind. In diesem Jahr bin ich schlechter vorbereitet, da ich im Februar 2x operiert wurde. Egal, mir geht es gut, dass Laufen geht gut. Inneres Reinhorchen. Da ist nichts!




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  Ich laufe sehr vorsichtig und verhalten, nehme alles auf, was ich sehe. Immerhin ist das einmalig hier. Auch dann, wenn man es im nächsten Jahr wieder schaffen sollte dabei zu sein. Man weiß nie. Da denke ich an die Menschen, die uns bereits verlassen haben. Da sind auch Läufer dabei. Auch viel zu jung verstorbene. Begeistertes Publikum. Die Stadt. Die ersten Kilometer durch Biel. Ein Abend in einer Stadt in der Schweiz. Alles so, wie man es sich nicht träumen kann. Wer hätte das gedacht?
Ich höre, wie erfahrene Läufer Tipps geben, was sich andere Läufer vorgenommen haben und klatsche Hände ab. Kinderhände. Kann man etwas vom "Heldentum" als Bielstarter abgeben? Es ist warm und ich beginne zu schwitzen. Die Schuhe müssen neu gebunden werden. Schöne junge Frauen an der Strecke. Viele Menschen an der Strecke, die uns auf hochdeutsch anfeuern, französisch, schwitzer Deutsch, englisch, griechisch und andere Sprachen. Grüezi, Merci! Danke dafür, dass ihr uns als Helden feiert. Einhundert Kilometer laufen, wir haben dafür trainiert. Jedenfalls die meisten! Einige schnaufen jetzt schon. Das sind nicht nur Staffetenläufer, die uns überholen, richtig schnell unterwegs sind. Einige Läufer scheinen schlecht trainiert. Ob die durchkommen? Wer jetzt schon schnauft und stark schwitzt, oder gar nach 5 Kilometer schon an den Beinmuskeln fummelt, der wird es kaum schaffen. Jeder auf seine Weise. Da ist Karl-Ernst. "Hallo", wir grüßen uns. Seit Jahren sehen wir uns auf Laufveranstaltungen und ab und an schwatzen wir über Gott und die Welt. Ich überhole einen Läufer aus Griechenland. Eine Laufgruppe von fünf Läufern ist aus Great Britain. Es geht durch Nidau. Hoch nach Jens. Herrlich. Es ist sehr dunkel. Sterne sind zu sehen. Lichter in den Bergen. Der Mond wird erst etwa 0:30 Uhr aufgehen. Nicht als Vollmond. Ein kleines Stück fehlt ihm, trotzdem ist er ziemlich hell und produziert sogar Schatten. Nur ab und an wird das Mondlicht durch Wolken gedämpft. Ab Jens geht es dann wieder bergab. Gut für mich zu laufen. Die Schwerkraft ist es, die mich dann treibt. Da muss ich nur schauen, das ich nicht zu schnell werde und nicht mehr bremsen kann. Ich kümmere mich nicht um irgendwelche Zeiten. Es geht gut. Es rollt. Fahrtwind. Die Schuhe sitzen! Diesesmal habe ich auf die ärmellose Regenjacke verzichtet. Es soll morgen sehr warm werden und nicht regnen in der Nacht. Ich werde in der Nacht nicht frieren, obwohl es am Morgen so frisch ist, dass man den Atemdunst der Läufer sehen kann. Dann werden wir wieder mit lauten Anfeuerungsrufen gefeiert. Über die Brücke in Aarberg. Gänsehaut. Ich sehe die dicken alten Holzbalken der Brücke. Ich sehe in Gesichter, in denen Anerkennung zu lesen ist. Unten die Aare, vorne der Marktplatz und die tobende Menge und an den Seiten immer wieder aufmunternde Rufe: "Hopp, hopp, hopp!" Es wird geklatscht. Unwillkürlich drehe ich auf. Ansteckend das Ganze. 2008 haben wir uns diesen Streckenabschnitt genau angesehen. Gleich sind wir durch die Menge durch und laufen durch einen Torbogen nach unten. Gleich kommt eine Verpflegungstelle. Toiletten stehen an vielen Verpflegungspunkten. Man muss nicht in den Wald. Viel zu gefährlich. Nein, nicht wegen der Tiere. Aber im dunklen Wald, wird man nicht gesehen und wenn es dann ein Läufer in hinterhältiger Absicht eilig hat. Tss, da könnte man schon mal "betuppt" werden! Kein Grund die Gegend zu verschmutzen also. Ein kleiner dicker Läuer schnauft schon seit mehr als einem Kilometer neben mir her. Er will nicht abreißen lassen. Scheint wohl einen Wettkampf mit mir austragen zu wollen? Das Geschnaufe wird er jedenfalls nicht mehr lange durchhalten können! Kurz nach der Verpflegungsstelle in Aarberg sehe ich ihn zum letzten Mal. Sein Geschnaufe bleibt zurück. Kurz vor Lyss hatte ich 2008 Probleme. Das rechte Knie war es. Jetzt ist alles gut. Zwar ist hier noch keine Radbegleitung erlaubt, aber einen Radbegleiter sehe ich, der seinen Läufer schon begleitet. "Coach" steht da! Dann dürfen die Radbegleiter offiziell. Schon eine Leistung, so langsam neben seinem Läufer herzufahren oder nach Pausen diesen immer wieder zu finden. Es braucht Nerven, gute Beleuchtung und gute Bremsen. Vorallem mentale Stärke. Die Strecke ist lang. Da fragt man sich öffter, warum man sich das antut. Aber warum nur laufe ich? Gelegentlich brauchen die Läufer starke Nerven, wenn Radbegleiter den Weg plötzlich blockieren und man ausweichen muss. Je länger man gelaufen ist, um so mehr schmerzt es, die nebeneinander hergehenden zu überholen. Das sind Rhythmuswechsel, die Kraft kosten! Platz machen sie selten. Die ersten Staffetenläufer, Halb- und Marathonläufer haben uns längst überholt. Wie schnell die sind. Kaum zu glauben, dass ich laufe. Ich vermisse die Jugendlichen mit der Trommel und dem Kasten Bier, die die Jahre davor, mehrmals an einer Biegung eines Feldweges, zwischen den Feldern, saßen und feierten. Das Marathonziel kommt näher. Eine hübsche blonde Marathonläuferin geht und läuft abwechselnd. Ich auch. Einige Zeit bleiben wir ziemlich dicht besammen. Sie fällt öfter zurück, wenn ich laufe, holt mich aber immer wieder ein. Sie wird mittels Fahrrad (Velo) begleitet. Der Begleiter muntert sie von Zeit zu Zeit etwas auf. Wie jung sie noch ist. Da merkt man doch, das man schon Mos auf dem Rücken hat. Trotzdem, sie bleibt bald längere Zeit hinter mir. Läuft aber einen Kilometer vor dem Ziel wieder auf und überholt mich. An der Verpflegungsstelle im Marathonziel trinke ich ausgiebig. Gierig. Ich esse Kekse, Brot und Bananen. Schmeckt alles irgendwie nicht und ich muss mich doch zwingen. Wenn man unterwegs Hunger bekommt, kann der Zuckerspiegel schnell nach unten gehen. Schließlich muss ich meine Muskeln versorgen. Schwere Läufer haben es schwer. Ich tue mir fasst selbst leid und beschließe mal wieder daran was ändern zu wollen. Nach dem Lauf! Ich lutsche Orangen. Das schmeckt. Das wird dann fast ausschließlich meine Nahrung. Ein Schild taucht auf. Die Beleuchtung der Schilder ist schlecht in diesem Jahr.
Aha, "50 km"! Ich sehe auf die Uhr. Ich habe bisher fast 6 Stunden gebraucht. Der Mond leuchtet. Ich träume von einer neuen Bestzeit. Bin ich unterzuckert?
Abwarten. Man sollte nicht zu früh Zieldurchgangszeiten berechnen. Das haben die 4 bisherigen Läufe gezeigt. Also genehmige ich mir ein Powergel. Damit werde ich realistischer und verdränge die Gedanken an irgendwelche Bestzeiten.
Die Füße brennen. Noch nie taten sie das! Mist! Der Schotteruntergrund ist betonhart. Darauf liegen spitze Steinchen. Die haben Sensoren und finden mühelos die Profillücken in meinen Schuhen. Au! Schön ist es nicht mit den Steinen, wollte ich doch jeden Meter der Strecke genießen! Viele Schritte, viele Steinchen. Zum Glück gibt es hier auch Straßenbelag, Asphaltbelag, nicht nur Schotterwege.
Kirchberg. Ich habe Hunger, kann aber nichts essen. Karl-Ernst meint, er wäre noch nie so spät hier durchgekommen. Wie spät ist es eigentlich?
Die Uhr zeigt 4:35 Uhr an. 6 Stunden und 35 Minuten für 55 Kilometer. Ich finde die Zeit gut! Also bis 10:00 Uhr, dass wären dann 12 Stunden Laufzeit und es bleiben noch 5 Stunden und 25 Minuten für 45 Kilometer. Das müsste doch machbar sein?
So ein Unsinn! Ein Anfall von Ehrgeiz, der mich so berechnen ließ. Na ja, 45 Km sind noch lang, besonders, wenn man schon 55 Km gelaufen ist. Die Nacht durch, da ist es erlaubt, etwas "Gagga" zu sein. Am Emmendamm entlang. Der Damm war stellenweise frisch ausgebessert. Natürlich mit Steinen, die schön, rund und nicht so groß sind, dass sie einen unbekümmert darauftreten lassen. Nein, man muss höllisch aufpassen, sonst wird die Sache hier doch noch blutig! Herrliches Vogelgezwitschere. Das ist nun wieder Genuss pur. Wer hat schon die Zeit, sich morgens so früh in den Wald zu setzen und dieser Musik zu lauschen? Ziemlich hell ist es, nur im Schatten der Bäume, von Mond und Morgenlicht, brauche ich eine Taschenlampe.
Achtung, Füße hoch, Wurzeln! Davon gab es viele und Steine. Isgesamt war der Emmendamm aber diesmal nicht so schlimm. Die Verpflegungsstelle unter einer Brücke. Hier wurde wieder gegrillt und Bier getrunken. Stimmung. Was soll man morgens um die Zeit sonst machen? Der Abschnitt, wo ich erst einmal wieder gegangen bin. Schultergymnastik. Das hilft gegen die Verspannung.
Gerlafingen. Dann wieder Erdbeerfelder. Diesmal pflückt keiner hier in der Morgensonne.
Meine Gehpausen wurden etwas länger. Ich korrigierte mal wieder meine Zielzeit, jetzt auf 12:30 h. Bei Bibern den Berg hoch. Die Sonne lacht. Es wird ein bezaubernder Tag. Ich gehe den Rest der Strecke vor meinem geistigen Auge durch. Den Rest kenne ich ja. Ganz klar sah ich, was da noch auf der Strecke alles für markante Punkte kommen würden. Aber ich kenne auch die Beschwerlichkeiten. Asphalt ist gut zum Laufen. Die Fußsohlen schmerzen dabei nicht. Keine hinterlistigen Steinchen mit der Lizenz zum Profillücken suchen! Runter durch Arch, ab an die Aare. Die Morgensonne meint es gut. Zum Glück habe ich eine Mütze auf. Die Läufer stapfen. Ich ja auch. Schwer, die Füße locker auf den Schotter zu setzen. Aua! Au, au. Mist! Klein und hinterhältig sind sie, die Steinchen. Klar, weit und breit zwei Steinchen, die diesen Abschnitt hier zugeteilt bekommen haben. Eines für die Profillücke im rechten und eines für die im linken Schuh. Verdammt!


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  Ich weiß es: Da wachsen herrliche Blasen unter meinen Fußsohlen heran. Gezüchtet durch laufen. Beinchen vor, links, rechts, aua, so geht das. Egal, wer wollte schließlich zum fünften Mal dabei sein? Hat mich keiner gezwungen, hier an der schönen Aare zu laufen. Morgens in der Sonne auf diesem Schotterweg mit seinen Überraschungen. Ablenken. Was habe ich denn dieses Jahr noch so vor? Erft-Spendenlauf, Davos und privat die Wied ablaufen. Ist das nicht vermessen? Plötzlich ein schöner Rücken vor mir. Das ist mal eine Ablenkung! Eine Läuferin, so schnell wie ich. Ich überhole sie nur ungern. Sie hängt sich dran. Die will, dass ich sie ziehe. Auch eine Taktik. Besser wäre, sie läuft vor. Ich laufe und sie hinterher. Ist lange keine hinter mir her gewesen. Gemeinsam stapfen wir an der Aare entlang. Die Sonne brennt. Noch 3 Kilometer bis Büren. Ich muss dann gehen. Sie auch. Bald läuft sie an und überholt mich. Wir gehen und laufen. Abwechselnd. Der Rücken lenkt ab. keine Schmerzen in dem Moment. Dann läuft sie an und ich muss mir etwas anderes suchen, um mich abzulenken. Meine Wandereinlage dauert bis zur ersten Brücke in Büren, habe ich dann beschlossen. Hier wäre ein Verpflegungspunkt. Die Brücke war noch da, Publikum und der Brunnen mit dem Trog auch, aber kein Verpflegungsstand. Den hatten sie ca. 2 Kilometer nach hinten verlegt. Schade! Ach ja, stand ja in den Unterlagen. Trotzdem machten sich viele Läufer Luft und schimpften darüber, dass der Verpflegungsstand verlegt wurde. Ich machte mich am Wassertog an der Brücke etwas frisch. Immer wieder wurden Helfer gefragt, wann denn der Verpflegungstand kommen würde. Die letzte Verpflegung gab es bei Arch, bei Km 80. Es war sehr heiß. Dann endlich. Der Nidau-Büren-Kanal, die Brücke und endlich der Verpflegungsstand. Da war zur allgemeinen Ratlosigkeit oder zur Erheiterung ein Schild angebracht. Da stand 86,5 Km drauf. Ha! Selten so gelacht. Das nächste Schild kam bald, nach einem Kilometer, da stand dann stand 90 Km drauf. Alles lustig hier. Witzbolde in der Schweiz. Den nächsten Verpflegungsstand gab es bei Km 95 in Pieterlen, wie immer! Ach ja, meine lieben Fußsohlen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ein Läufer meinte zu seine Radbegleitung: „Meine Füße schmerzen. Aua! Ich spüre jeden Stein!"Er verzog schmerzgepeiningt sein Gesicht. Seine Begleiterin meinte: "Du schafst das schon! Schatzi, Du kommst durch!" Ich meine, sie lächelte ihn an. Er sah gar nicht so glücklich aus. Dafür sind also Radbegleiter da. Hmm. Ich musste lächeln und plötzlich ging, ehm, lief es bei mir wieder. ich lief vorbei, machte "Tempo" bis über die Straße. Am Berg ging ich wieder und meine erwachsenen Blasen unter den Füßen begrüßen jedes einzelne Steinchen auf der Strecke. Das waren dann die falschen Schuhe. Die Trailschuhe standen in Twann, wo wir übernachteten. Ob die sich gewundert haben, weil ich die anderen in die Nacht mitgenommen habe? Das sind Gedanken! In Pieterlen aufgefrischt, lief ich immer wieder kurze Strecken. Hinter Km 95 dann der letzte Verpflegungspunkt. Ich lief bis zum Ziel durch. Mir kam das schnell vor. Dann die 98Km! "Guten Tag!", du herrliches Streckenschild, ich grüße dich vielmals. Stündest du nicht so weit weg, würde ich dich umarmen. Dann "99 Km". Gleich, gleich ist es soweit. Ich höre schon Musik und den Sprecher. Dagmar und Charly an der Strecke. Die Sohlen brennen. Anfeuerungsrufe auf den letzten Metern. Ich grinse leicht blödsinnig, wie mir scheint. Na ja, die Fußsohlen schmerzen garnicht. Gleich habe ich es geschafft. Als Held fühle ich mich nicht. Eher glücklich, endlich angekommen zu sein. Bald kann ich nachsehen, wie schön tatsächlich die Blasen gewachsen sind. Die Zeit unter 13 Stunden empfinde ich als gut. Wie schwer es die Läufer nach mir haben werden. In der Hitze! Der Sprecher begrüßt mich und die vielen Menschen hier jubeln. Geschafft! Das T-Shirt-holen geht in diesem Jahr viel schneller. Das macht Dagmar für mich, während ich, Charly an der Leine, auf dem Rasen in der Nähe der Eishalle liege, im Schatten natürlich und beginne zu regenerieren. Dann ab zum Auto. Im Hotel in Twann wird geduscht. Die Blasen sind weich und lasen sich problemlos entwässern. Trinken, etwas essen, trinken und schlafen.






Letzte Änderung: 24.06.2009
© Joerg Segger