Person

 Aus dem
 Leben
 Schreiben, Malen,
 Plastiken befummeln
 Laufen,
 warum, wo?

Die Roßtrappe - eine Nacherzählung








Die Roßtrappe - eine Nacherzählung

Einst begab sich die wunderschöne Ilse, zur rechten Seite des Flusses, in den Wald. Sie war allein mit den Tieren.
Das Wetter war herrlich und sie sammelte verträumt leckere Beeren für das Nachmittagskompott und Hagebutten für den Tee. Einen Teil der Hagebutten wollte sie allerdings für den häßlichen Koch als Juckpulver haben.
Die Vögel der Umgebung lauschten auf den Gesang der Prinzessin. Plötzlich hielt die Prinzessin mit dem Gesang inne.
Etwas stampfte heran. Augeregt flogen die Vögel fort und die Rehe liefen so schnell sie konnten. Die Prinzessin stand endlich allein da.
Das Stampfen wurde lauter. Jetzt hörte sie Äste brechen und auch schweren Atem. Ilse begann zu zittern. Unentschlossen stand sie da.
Dann spürte sie es. Genau, als kein Stampfen mehr zu vernehmen und das Schnaufen nur noch sehr leise war, spürte sie die Beobachtung.
Der wunderschöne Hals der Prinzessin drehte sich und Entsetzen stand in Ihren Augen.
Da war er. Der Riese Bode saß auf seinem Roß, welches mit einem Vorderfuß im modernden Laub wühlte. Ilse lief zu Ihrem Roß und schon stürmte es los.
Bode war ihr dicht auf. Die Äste der Bäume schlugen der Prinzessin ins Gesicht. Sie spürte nur den Verfolger hinter sich. Dann wäre sie beinahe vom Roß gestürzt, weil es über einen Felsen sprang.
Schon griff der Riese nach ihrem Schleier. Der löste sich und sie erreichte das Tal des Flusses, der sich hier tief in den Felsen geschnitten hatte. Weit war das Tal und tief die Schlucht. Das Roß bäumte sich hoch. Felsen polterten hinab in das Tal und stauten den Fluß.
Des Riesen Augen flackerten schon feurig und der Dampf aus den Nüßtern des Rosses drang der Prinzessin in die Lunge.
Ein letztes mal zwang sie ihrem Roß die Sporen in die Weichen und mit aller Kraft schwang es sich über die Schlucht.
Der Flug schien nie zu enden und weit hörte man ihren Schrei. Es war Erstaunen!
Mit glücklichem Geschick schwang sich das Roß weit und hoch. Die Schlucht ward überwunden. Doch wo war der Riese nur? Ängstlich schaute sie zurück.
Dessen Roß setzte gerade mit letztem Weh und einem Huf auf den Felsen auf. Doch war des Riesen Blick voller Entsetzen. Das Roß verdrehte weis in seinen Augen. Dann stürzten beide in die Schlucht.
Der Riese Bodo war zerschlagen, die Prinzessin glücklich gerettet, aber an der Stelle, wo das Roß des Riesen mit dem Huf auf den Felsen schlug, kann man heute noch den Abdruck sehen.
Der Felsen dort, der sich hoch über die Bode erhebt heißt "Roßtrappe" und liegt dem "Hexentanzplatz" gegenüber.

(© Joerg Segger Gierath 2001)