Schweizreisen

 Wir waren in Biel, Torgon, Davos, Lausanne, Montreux, Sachseln ...

Schweizreisen 2003/Nebelwanderung


Hoch zum Plattjen-Saas Fee.



Wildrosen.

Wildblumen.

Murmeltier - da!

Gemsbock im Nebel.

Dagmar im Nebel.

Mahlzeit.

Britanniahütte im Nebel


Als ich am Morgen die Augen aufschlug, sah ich als Erstes das Allalinhorn.
Es wurde von der Sonne angestrahlt. Beim Frühstück trafen wir wieder die emsig schmatzenden schwatzenden schweizer Mädel (4 Damen etwas über 55 Jahre) vom Abend davor.
Ihr Schwyzer Dütsch hörte sich wie das Geschnatter aus einem Gänsestall an. Wie mochte sich wohl in ihren Ohren unser Deutsch anhören? Die Wirtin gab sich wieder viel Mühe. Dann kam die Hauskatze der Jägerhütte. Sie lief aus dem Fenstersims auf einen Tisch, an dem gerade die Gäste aufgestanden waren. War wohl ihr Lieblingstisch. Sie legte sich in voller Pracht auf den Tisch.

Wir hatten schon vor dem Frühstück unseren Rucksack gepackt. Wir brachen auf. Es sollte, nach Daggis Beschreibung eine relativ leichte Wanderung werden.
Wir hatten sogar unsere Wanderschuhe angezogen und einen Rucksack mit warmen Sachen und Verpflegung dabei. Wenn ich gewusst hätte, was da auf uns wartete.
Für Nachmittag war ein Gewitter angesagt! Also hatten wir noch etwas Zeit. Wenn alles gut läuft, sind wir zurück, bevor das Gewitter da ist. So dachten wir jedenfalls.

Manchmal zweifele ich Daggis Lesekünste an.
Besonders nach dieser Wanderung bin ich sehr skeptisch. Die erste Wanderung sollte nicht zu schwierig sein. Zur Unterscheidung waren die Pfade farbig, je nach Schwierigkeitsgrad, markiert.
Wir gingen durch das geschäftig werdende Saas Fee. Die Surfbrett- und Skifahrer waren längst auf der Piste.
Wolken hingen jetzt oben in den Bergen. Wir wollten zur Britanniahütte. Diese Hütte hat ihren Namen daher, weil der Bau mit Unterstützung von Britten erfolgte.
Die Britten hatten schon im 19. Jahrhundert die Schweiz als Bergwander- und Kletterparadies entdeckt.

Langsam stiegen wir auf. Wunderbar schien die Sonne auf Saas - Fee. Für diesen Weg waren unsere Wanderschuhe bestens geeignet! Wir waren fast die einzigen Wanderer so früh am Morgen.
Unser erstes Ziel war der Plattjen. In etwa 2670 Meter Höhe befindet sich eine Gaststätte.
Wir waren langsam aufstiegen. Bevor wir beim Aufstieg in den Nebel gerieten, hatten wir einen herrlichen Blick auf Saas Fee. Irgendwer hatte beschlossen, dass wir heute in Wolken wandern sollten. Wir hofften darauf, weiter oben über den Wolken zu sein. Überall auf den Wiesen sahen wir herrliche Wildblumen. Alpenrosen blühten in voller Pracht.

Aus einem Geröllfeld wurden wir beobachtet.
Willi, das diensthabende Murmeltier saß auf einem Stein. Sobald wir auf unserer Wanderung näher an Willi heran kamen, versteckte sich das Murmeltier zwischen den Steinen.
Waren wir weiter entfernt, zeigte es sich wieder. Jetzt nur nicht verraten, das ich zu Hause gegen meine Schmerzen im Arm Murmeltiersalbe verwendete. Allerdings hatten dafür österreichische Verwandtschaft von Willi Fett für die Salbe und vorher das Leben lassen müssen.

Oben an der Gaststätte machten wir Rast. Natürlich war geschlossen!
Wir saßen in den Wolken. Eben so gut hätten wir bei meiner Oma in der Waschküche frühstücken können! Na egal. Dafür war der Aufstieg schön.
Als wir gestärkt waren, gingen wir weiter. An der Seilbahnstation vorbei. Wir hörten die Gondeln über die Rollen fahren. Nur sehen konnten wir sie nicht. Macht nichts, das Wetter wird sich schon wieder bessern. Wir dachten beide so. Also gingen wir weiter.

Wir kletterten durch ein Geröllfeld. Bei dem Nebel war es stellenweise sehr müsam. Die Stöcke machten die Tour aber etwas erträglicher.
Bei jedem Schritt musste man aufpassen. Stellenweise wurde der Nebl noch dichter.

Etwas ging da im Nebel!
Ah! Es war eine Gemse. Ich taufte sie Peter.
Gelangweilt schaute sie uns etwas seitlich an. Wir störten nur. Als wir näher kamen, zog die Gemse widerwillig weiter. Dabei hatte sie nun gar keine Eile.
Der Weg verlief an manchen Stellen sehr eng am Felsen vorbei. Ab und an konnten wir durch dem Nebel ahnen, das es sehr tief nach unter gehen würde. Ab und an waren Seile am Felsen – als Angstgriff – festgemacht. Immer wieder hörten wir Gletscherwasser den Berg herunterstürzen


- 2-

Eine Gruppe überholte uns, die es wohl sehr eilig hatte. Die wollten auch zur Britanniahütte. Dann grollte Donner. Gar nicht so weit weg. Wir stiegen gerade einen Grad herauf. Jemand schien uns mit Hagelkörnern zu bewerfen. Deckung suchen. Zum Glück hatten wir Regensachen und warme Jacken dabei!
Dann war es schon vorbei. Wir hatten den Grad überwunden und waren an einem Gletschersee angekommen.
Die Wolken umhüllten alles.

Dann war das Gewitter vorbei. Wir hatten nur etwas Hagel abbekommen. Wir machte erneut Rast. Anscheinend hatten wir den richtigen Weg gefunden. Nur für einen kurzen Augenblick zeigte uns die Sonne, wie schön es hier oben am Gletschersee war. Dann wurde der Nebel wieder dichter.

Bald gingen wir weiter.
Wir stiegen weiter hoch. Erst als wir dann auf einer Fahne im Schnee angekommen waren, bemerkten wir den Irrtum.
Dort oben zeigte der Wegweiser zurück, steil nach unten – ohne erkennbaren Weg – nach Saas Fee und zum Felskinn. Zum Letzterem wollten wir hin.

Wir erreichten nach einem kurzen Anstieg den gut planierten Gletscher. In der einen Richtung führte er zur Britanniahütte.
Dort wollten wir jetzt nicht mehr hin!

Gespenstig zogen die Wolken um einen Berg. Dann zogen sich die Wolken für 3 Sekunden auf und wir sahen die Seilbahnstation und die steilen Berge ringsum. Diesmal durften wir sehr preiswert die Talfahrt im Nebel machen. Der Fahrer hatte wohl keine Lust zum Kassieren, und wir waren die einzigen Passagiere. Der Fahrer war mürrisch.

Für wenige Augenblicke sahen wir aus der Gondel die Pistenraupen auf dem Gletscher.
Im Tal regnete es.
Da die Talfahrt kostenoptimiert verlief, genehmigten wir uns je einen dicken Eisbecher. Lecker!
Dann telefonierte ich noch wegen meiner Startnummer für den Marathon mit dem Veranstalter. Ich hatte beim Telefonieren nicht gleich bemerkt, das ich unter einem Bild von Willi im Hotelzimmer saß. Willi, das diensthabende Murmeltier. Überall zu finden! Die kleine Wanderung dauerte 5 und eine halbe Stunde und ging dabei über 1.500 Höhenmeter. Ich meine das ist gerade die richtige Vorbereitung für einen Marathon. Oder?


Letzte Änderung: 19.12.2009
© Joerg Segger