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Hoch in der Luft segelte ein Adler. Er zog schon ziemlich lange seine Bahn, ohne allerdings eine Beute entdeckt zu haben. Die Aufwinde trugen ihn über die trockene Landschaft. Seit einiger Zeit beobachtete er eine Staubwolke, die schleppend näher kam. Es könnte Beute sein, und der Vogel entschloss sich, der Staubwolke entgegen zu fliegen. Als er nah genug heran war, erkannte er drei Menschen in einem Jeep, die noch sehr lebendig aussahen. Trotzdem - man konnte ja nie wissen - der Vogel begleitete das Fahrzeug einige Zeit.
Der Mann am Steuer fühlte sich sehr einsam, obwohl er nicht allein in dem Jeep fuhr. Der Motor hatte schon einmal einen Aussetzer. Die Kinder im Jeep schliefen nicht. Jedes ging seinen Gedanken nach. Die letzten Tage waren aufregend und traurig gewesen ...
Jetzt schaukelten sie mit den Ausweichbewegungen, die ihr Vater mit dem Jeep machte, um Hindernisse nicht zu rammen, hin und her. Die Kinder hießen Peter und Melanie.
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Sie hatten gerade ihre Mutter verloren und fuhren jetzt zu einer Farm mitten in Australien. Der Vater hatte bestimmt, mit ihnen in die Wildnis zu fahren. Er wollte einen seiner alten Freunde besuchen. Lange davor hatten sie ihren Vater nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ihre Mutter und er lebten längere Zeit schon getrennt. Dieser Mann, der Vater, kurvte jetzt mit ihnen durch die Wildnis. Es war schon Stunden her, das ihr klappriger Jeep auf Asphalt seine Räder drehte. Wenn sich der Vater wenigstens in dieser roten Wildnis auskennen würde. Sie zweifelten, jeder für sich.
Dann passierte es! Arno Prang war einem großen Stein ausgewichen, der da einsam in der Landschaft lag, dabei war er in eine Mulde gefahren. Es war wohl eher ein Loch. Der Jeep hatte sich mit der Stoßstange in die Erde gewühlt, und sie waren auf dem Wagen durcheinandergeschleudert wurden. Alle drei hatten Prellungen - zum Glück hatten sie sich nichts gebrochen. Der Wagen war unbrauchbar.
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Wo waren sie? Peter spürte, dass der Vater nicht wusste, wo genau die Farm seines Freundes lag.Trotzdem munterte er Melanie, seine jüngere Schwester, auf. Sie beluden sich mit Rucksäcken und Wasserflaschen. Endlose Weite. Der Wind trieb sein Spiel mit rotem Staub und wirbelte ab und an auch mal einen losen trockenen Strauch in die Luft. Langsam ging die Sonne unter. Melanie war schon lange zum Heulen zu mute. Sie riss sich zusammen.
Sie machten Rast an einem Hügel, auf dem sie stundenlang zu gesteuert waren, weil es von weitem so ausgesehen hatte, als wenn es auf dem Hügel grün war. Wo es grünes Gras gab, musste auch irgendwo Wasser sein. Das hatten sie nötig. Sie hatten Glück. Auf dem Hügel standen kleine Bäume und Büsche. Während sich die Kinder ausruhten, erkundete der Vater die Gegend. Bald winkte und rief er ihnen zu.
Auf dem Hügel angelangt, konnten sie es sehen.
Sattes Grün lag vor ihnen. Sanfte Hügel mit Gras, Bäumen und Büschen. Ein Bach glitzerte durch Büsche. Und da! In einiger Entfernung eine Farm.
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Die Tür stand auf.
Der große Raum sah schmutzig aus. Im Kamin lagen Asche und nicht verbrannte Holzreste. Auf dem Wohnzimmertisch standen schmutzige Teller. überall auf den Einrichtungsgegenständen war Staub. Der Vater ging zur halb offenen Küchentür. Er stieß erwartungsvoll und doch mit Vorsicht die Tür auf.
"Iiii !" Melanie sprang so schnell sie konnte zur Seite, und gleich stand sie auch schon auf dem flachen Wohnzimmertisch. Peter hatte von Schrecken gezeichnete Gesichtszüge. Er stand in der Kaminecke und ergriff den Feuerhaken. Die Ratte war durch die offene Wohnungstür entkommen. "Die ist schnell weg!" sagte Arno und versuchte seine Kinder anzulächeln. Er ging in die Küche. Vorräte quollen aus einem der Küchenschränke, sie waren mit Rattenkot durchsetzt. Unbrauchbar war auch ein Rest schimmeligen Brotes, der neben der Spüle lag. Auch hier waren schmutzige Teller und Bestecke überall verteilt. Der Hausbesitzer mochte nicht gerade zu den saubersten Zeitgenossen gehören.
Peter legte den Feuerhaken auf die Ablage neben der Spüle. Dann fanden sie etwas zum Essen. Es waren noch genug Vorräte da, um noch einige Tage hier zu verbringen.
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Sie waren neugierig auf den Besitzer des Hauses. Es amüsierte sie, darüber nachzudenken, ob dessen Kleidung auch so vernachlässigt wäre, wie die Wohnstube und die Küche, die sie bisher gesehen hatten. Die drei waren die ganze Zeit, bis das Essen fertig war, in der Küche geblieben. Sie waren zusammen geblieben. Waren die Kinder vielleicht ängstlich? dachte Arno und schaute durch das Fenster in die Dunkelheit. Er konnte nur schemenhaft den Baum und die anderen Gebäude erkennen. Ab und zu sah er auch mal die Umrisse von weiter entfernt stehenden Büschen und Bäumen, wenn der Mond die Gegend um die Farm erhellte. Waren sie in Sicherheit? Ignoranz macht sicher! Sie waren in einem fremden Haus. Die Geräusche der Nacht drangen gedämpft in das Haus.
Arno sah, wie seine Tochter erschöpft auf ihrem Stuhl einschlief und dachte an den beschwerlichen Weg, der sie bis hierher geführt hatte. Es war eine andere Farm, als die, zu der Arno mit seinen Kindern aufgebrochen war. Er meinte es zu wissen.
Dann verließen sie gemeinsam die Küche. Peter zuckte zusammen und drückte sich an seinen Vater, der ebenfalls ein Geräusch gehört hatte. Nur Melanie schien nichts gehört zu haben. Das Geräusch war über ihnen. Die hölzerne Decke leitete die Geräusche von eigenartigen Schritten, begleitet von leisem Kratzen, zu ihnen. Arno ging mit dem Feuerhaken als Waffe in der Hand zur Treppe.
Hatte der Hauseigentümer vielleicht oben geschlafen und sie bis jetzt nicht bemerkt? Sie waren spät hier angekommen, und er konnte früh zu Bett gegangen sein. Nur der große Wohnraum, den sie als erstes betreten hatten, war erhellt. Die Treppe wurde nur teilweise beleuchtet. Peter ging hinter seinem Vater und hatte schon mehrfach leise am Lichtschalter für die Treppe geschaltet, ohne das irgendwo Licht anging. Bestimmt war die Glühbirne defekt. Arno stand schon auf der letzten Treppenstufe und versuchte auf dem oberen Korridor etwas zu erkennen. Es war aber weder etwas zu sehen, noch konnte man jetzt etwas hören. Die drei waren sehr leise und eine knisternde Spannung lag über jedem der drei Körper. Melanie war auch sehr wach. Sie hatte heute zum ersten mal eine Begegnung mit einer Ratte und wollte auf alles gefasst sein. Sie hatte große Angst. Peter versuchte, seine Angst nicht zu zeigen.
Er stand nur wenige Stufen hinter seinem Vater. Das Licht begann plötzlich zu flattern. Das entfernte, brummende Geräusch, das sie zum erstenmal in der Stille der Küche gehört hatten, schien ebenfalls zu stottern. Arno schaute mit besser angepassten Augen auf eine Tür unweit der Treppe. Die Tür stand einen Spalt weit offen, und er hoffte darauf, das in dem Raum Licht angehen würde und der Farmer in der Tür erscheinen würde.
Er würde sie sicher hier übernachten lassen. Arno ließ bei diesem Gedanken den Feuerhaken hinter seinem Rücken verschwinden. Ein Hauch muffiger Luft wehte ihm plötzlich entgegen und die Tür schlug auf, wobei zur selben Zeit das Licht ein letztes Mal flackerte, um dann gleich auszugehen. Sie standen im dunklen Raum und Arno wusste, sie wurden beobachtet. Ein winziger Funke leuchtete in der Tür oder waren es zwei? Ein Tier bewegte sich in dem Raum, dessen Tür jetzt offen stand. Die leuchtenden Funken bewegten sich jetzt nicht mehr.
Leises Knurren war zu hören, welches bedrohlich in der Lautstärke schwankte. Arno wusste, dass sein Sohn hinter ihm stand und weiter unten seine Tochter. Er hoffte, dass die beiden jetzt still abwarteten und sich nicht bewegen würden.
Hoffentlich fing Melanie nicht an zu schreien!
Arno holte den Feuerhaken wieder hervor. Er griff hart zu. Langsam, Stufe für Stufe, ging er in Richtung Tür. Er ging zielstrebig zur Tür, in der die leuchtenden Augen für unendlich lange Augenblicke zu sehen waren. Das Knurren brach ab. Die funkelnden Augen verschwanden plötzlich ...
gekürzte Fassung einer Episode
(© Joerg Segger Gierath 2002)
Letzte Änderung: 23.06.2008
© Joerg Segger
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